Notenbanken mit einer härteren Gangart

12. Februar 2022
Ein Kapitalmarktbericht von Karl-Heinrich Mengel

Das zuletzt erreichte Inflationsniveau zwingt die Notenbanken zu einer härteren Gangart – entsprechend sind geringere Renditen an den Kapitalmärkten zu erwarten.

Die letzten Inflationszahlen zwingen die Notenbanken in den USA und in Europa zu deutlichem Gegensteuern, um nicht die Kontrolle über die Geldentwertung zu verlieren.

Als Folge werden nicht nur Zinserhöhungen den Kapitalmärkten zu schaffen machen, sondern auch die Beendigung des sogenannten Quantitative Easings der FED, welches seit März 2020 für steten Liquiditätsfluss sorgte und damit das Schlimmste für die Aktienmärkte in der Corona-Krise verhinderte.

Die EZB wird sich der FED früher oder später anschließen.

Nachdem EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine Zinserhöhung für den Euroraum im Jahr 2022 lange ausgeschlossen hatte, musste sich auch sie – ebenso wie schon zuvor ihr amerikanischer Kollege Jerome Powell – den Fakten beugen, indem sie zuletzt anerkannte, dass die aktuelle Inflation wohl doch kein schnell vorübergehendes Phänomen darstellt.

Spätestens damit haben sich die Spielregeln für die Kapitalmärkte geändert.

Konnte der Aktieninvestor noch vor Jahresfrist großzügig über hohe Kurs/Gewinn-Verhältnisse bei Wachstumsaktien hinwegsehen und auf quasi kostenlos zur Verfügung stehende Liquidität verweisen, ist jetzt eine spürbare Verknappung der Liquidität vorgezeichnet. Man könnte auch sagen, die FED nimmt jetzt das Geld vom Tisch, welches sie seit Beginn der Corona-Krise großzügig zur Verfügung gestellt hatte. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr profitierten die Kapitalmärkte Monat für Monat von Liquiditätsspritzen der FED in der Größenordnung von 120 Milliarden US-Dollar.

Diese Unterstützung wird bis Ende März beendet.

In diesem Monat ist hingegen mit einer ersten Zinserhöhung in den USA zu rechnen, der bis Jahresende weitere Zinsschritte folgen werden. Es ist unbestritten, dass die Liquiditätsversorgung einen wesentlichen Einfluss auf Aktienmärkte ausübt. Darüber hinaus ist jedoch auch die Konjunkturentwicklung entscheidend, insbesondere aber die Entwicklung der Unternehmensgewinne.

Nach wie vor befinden wir uns in einem Wirtschaftsaufschwung.

Man denke an das Rekordvolumen des deutschen Exports im Jahr 2021 oder an die guten Ergebnisse, welche jüngst wichtige DAX-Unternehmen wie Siemens oder Linde berichteten.

Dennoch bleibt die zu erwartende Entwicklung eine Herausforderung für das Portfoliomanagement. Erfahrungsgemäß bedeuten steigende Zinsen und Liquiditätsverknappung besonders für hoch bewertete Wachstumsaktien einen gewissen Gegenwind. Demnach ist die Selektion in diesem Bereich mit konservativen Maßstäben und vorsichtiger vorzunehmen als in der Nullzinsperiode, deren Ende unmittelbar bevorsteht. 

Gewinner eines sogenannten Reflations-Szenarios, welches mit steigenden Unternehmensgewinnen, Inflation und höheren Zinsen einhergeht, sind zyklische Aktientitel sowie Aktien mit niedrigen Kurs/Gewinn-Verhältnissen und gut abgesicherten Dividendenrenditen. Darüber hinaus profitieren auch Banken. Letztere schätzen höhere Zinsniveaus in ihrem Kreditgeschäft, während Versicherungen bei höheren Zinscoupons laufenden Renditeverpflichtungen besser nachkommen können. 

Das zuletzt in den USA erreichte Inflationsniveau von 7,5 % führt bei US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zu einer massiv negativen Realrendite. Denn diese rentieren lediglich mit etwa 2 % p. a. Gemeinhin gelten US-Staatsanleihen zwar als „safe haven“, unter den gegebenen Umständen jedoch dürfte ein anderer „safe haven“ an relativer Attraktivität gewinnen, nämlich das Edelmetall Gold. 

Es ist demnach durchaus möglich, im Rahmen der „neuen Spielregeln“ im Portfolio Management erfolgreich zu agieren. Unter Umständen müssen sich die Anleger jedoch mit bescheideneren Renditen am Aktien- und Rentenmarkt arrangieren als im vergangenen Jahr.

Mit freundlichen Grüßen

Karl-Heinrich Mengel

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