Chancen und Risiken nachhaltiger Geldanlagen – ein Interview mit unserem Portfoliomanagementteam für Nachhaltigkeit

26. Oktober 2020

Die Capitell Vermögens-Management AG bietet ihren Kunden mittlerweile auch eine rein nachhaltige, individuelle Vermögensverwaltung an.

Anlässlich des neuen Angebotes sprechen wir mit den beiden zuständigen Nachhaltigkeitsexperten Stefan Kramer und David Houdek.

Lieber Herr Houdek, lieber Herr Kramer,
Sie leiten gemeinsam das Portfoliomanagement der nachhaltigen Vermögensverwaltung bei der Capitell AG. Wie beschreiben Sie Ihren Ansatz?

Stefan Kramer: Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten unter dem Begriff der Nachhaltigkeit. Hierbei ist der Anleger gefragt, seine eigenen Wertvorstellungen mit der jeweiligen Definition des Anbieters abzugleichen. Denn nicht immer ist hier das Verständnis über den Begriff deckungsgleich oder zumindest ähnlich. Wir legen daher großen Wert auf Transparenz in unserem Investmentprozess und setzen auf eine klar definierte Vorgehensweise. Nur so können wir für unsere Kunden im Rahmen ihrer individuellen Vermögensverwaltung sicherstellen, dass wir ihren Ansprüchen auch gerecht werden.


Können Sie uns in wenigen Sätzen einen ersten Einblick in Ihre Vorgehensweise geben?

Stefan Kramer: Kurz gesagt gehen wir bei der Unternehmensauswahl in zwei Schritten vor: Im ersten Schritt berücksichtigen wir strikte Ausschlusskriterien in zwei Bereichen. Einerseits schließen wir bestimmte kontroverse Geschäftsfelder, wie die Rüstungs- oder Tabakindustrie aus. Anderseits achten wir auf den Ausschluss von Unternehmen mit nachweislich unethischen Geschäftspraktiken, wie Menschenrechtsverletzungen oder Kinderarbeit. Dies betrifft auch die Zulieferkette eines Unternehmens. Darüber hinaus haben wir für Staaten und deren Staatsanleihen klare Ausschlusskriterien, wie beispielsweise das Praktizieren der Todesstrafe oder den Besitz von Atomwaffen definiert, auch wenn diese Anlageklasse auf Grund der anhaltenden Negativzinspolitik eine untergeordnete Rolle spielt. Im persönlichen Kennenlerngespräch gehen wir dann je nach Wunsch des Interessenten natürlich in die gewünschte Tiefe.


Und im zweiten Schritt?

Stefan Kramer: Haben wir die Anzahl möglicher Investments zunächst um die „schwarzen Schafe“ bereinigt, optimieren wir die Vermögenszusammensetzung im zweiten Schritt hinsichtlich sozialer, ökologischer und ökonomischer Aspekte. Hierbei spielt beispielsweise ein Best-in-Class-Ansatz beim CO²-Fußabdruck oder ein möglichst hoher Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, kurz SDGs (sustainable development goals), eine wichtige Rolle.

David Houdek: Und am Ende des Tages geht es selbstverständlich um die Verwaltung des Vermögens mit dem Ziel einer langfristig positiven Rendite und eines angemessenen Chance-/Risikoprofils für den Anleger. Jede Investition entspricht daher unseren klassischen Maßstäben in Bezug auf die Qualität und Stabilität, wie es die Capitell AG nun bereits seit 20 Jahren erfolgreich im Auftrag ihrer Kunden umsetzt.


Sie haben das Thema Rendite bereits angesprochen. Nach wie vor hält sich teilweise die Vorstellung, man müsste bei der Verwaltung von Vermögen nach sozialen und ökologischen Standards auf Rendite verzichten. Wie sehen Sie das?

David Houdek: Die Vorstellung stammt aus einer Zeit, als es nur wenige, als nachhaltig definierte Anlagemöglichkeiten gab. Investitionsmöglichkeiten, wie die Unterstützung beispielsweise beim Bau von Kinderspielplätzen oder in Form der Entwicklungspolitik gab es schon immer als eigene Anlageklasse. Aber diese Anlageklasse war nie darauf ausgelegt, bezogen auf die Rendite mit klassischen Anlagemöglichkeiten zu konkurrieren. Wer dennoch einen Teil seines Vermögens in soziale Projekte anlegte, hatte natürlich wohlwissend eine geringere Rendite auf sein Gesamtvermögen.

Heute gibt es eine Vielzahl verschiedener Anlagemöglichkeiten, die hinsichtlich nachhaltiger Kriterien analysiert werden können. Viele Unternehmen veröffentlichen heute Nachhaltigkeitsberichte und darin zahlreiche Fakten über die klassischen Finanzkennzahlen hinaus, wie beispielweise den Energieverbrauch und die Quote erneuerbarer Energien, den Gender-Pay-Gap oder die Quote von Frauen in Führungspositionen. Diese Zahlen lassen sich vergleichen und gemäß der eigenen Definition von Nachhaltigkeit berücksichtigen.


Das klingt erstmal sehr nach unternehmensinternen und nicht leicht zu vergleichenden Kennzahlen. Woran kann man denn noch nachhaltige Unternehmen erkennen und ist Nachhaltigkeit auch ein Weg für unternehmerischen Erfolg?

Stefan Kramer: Neben den eben genannten Kennzahlen trägt auch der Wandel in der Gesellschaft zur Förderung nachhaltiger Geschäftsmodelle bei. Konsumenten, die beispielsweise bei der Kleidung auf Bio-Baumwolle, Fair-Trade Logos oder recycelte Materialien wertlegen, erzeugen eine stetig steigende Nachfrage, welche von der Wirtschaft gewinnbringend bedient werden kann. In diesem Bereich gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen, die sich ausschließlich auf ein nachhaltiges Angebot spezialisiert haben.

David Houdek: Und auch in der klassischen Industrie gibt es immer mehr Unternehmen im Bereich der Umweltwirtschaft, denn ökonomische und ökologische Ziele sind für viele Unternehmen oftmals deckungsgleich. Wer Energie und Ressourcen bei der Produktion einspart, bewirkt damit sowohl etwas Positives für die Umwelt als auch für die eigene Ertragslage. Firmen, die hierzu eine Lösung anbieten, können über ein lukratives Geschäftsmodell verfügen.

An nachhaltigen Anlageideen mangelt es also nicht.


Herr Kramer, Sie haben bereits den Wandel der Gesellschaft und das steigende Bewusstsein der Bevölkerung für einen nachhaltigeren Lebensstil angesprochen. Inwiefern beeinflusst diese Entwicklung Ihr persönliches Verhalten?

Stefan Kramer: Soziales und ehrenamtliches Engagement ist mir schon seit Langem sehr wichtig. Vor etwa 10 Jahren war ich als ehrenamtlicher Vorstand und Kreissprecher bei den Wirtschaftsjunioren in Hannover aktiv. Die damaligen Leitlinien u.a. des ehrbaren Kaufmanns und der Fokussierung auf ein respektvolles, zukunftsorientiertes und vernetztes Miteinander haben mein Berufsleben bis heute geprägt In meinen heutigen Ehrenämtern bei der freiwilligen Feuerwehr und als Geschäftsführer einer Stiftung kann ich hingegen meine beruflichen Erfahrungen für die Gesellschaft einbringen.

Im privaten Umfeld achte ich darauf, meinen ökologischen Fußabdruck in Bezug auf CO² und Ressourcennutzung möglichst klein zu halten, aber auch Müll zu vermeiden und Konsumgüter aus fairen bzw. biologischen Quellen zu erwerben. Dabei habe ich festgestellt, dass es keine Einschränkung in Sachen Lebensqualität bedeutet, ganz im Gegenteil.


Herr Houdek, wie beantworten Sie diese Frage für sich?

David Houdek: Ich war schon immer sehr neugierig und interessiert am Unbekannten. Als ich damals das erste Mal selbst meinen Kühlschrank selbst füllen musste, fing ich an, mir verstärkt Gedanken über Ernährung zu machen – sowohl in Bezug auf gesundheitliche, ethische, ökologische und ökonomische Aspekte. Ich wollte herausfinden wie es ist, bestimmte Ernährungsstile zu verfolgen. Also lebte ich einige Jahre vegetarisch und sogar 6 Monate vegan.


Und heute nicht mehr?

David Houdek: Nein, aber ich ernähre mich heute bewusster und habe durch anfänglichen Verzicht auch viel hinzugelernt. Der schwierigste Teil beim Verzicht liegt am Loslassen liebgewonnener Gewohnheiten. Doch selbst die meisten Raucher, die ich kenne, würden den Verzicht auf Rauchen in Restaurants und Bars heute als Zugewinn für die Gesellschaft bezeichnen. Arthur Schopenhauer sagte einmal: „Ein jedes Problem durchläuft bis zu seiner Anerkennung drei Stufen: In der ersten wird es lächerlich gemacht, in der zweiten bekämpft, in der dritten gilt es als selbstverständlich.“


Und diese gesellschaftlichen Veränderungen bringen neue Investitionschancen?

David Houdek: Ganz genau. Das Rauchverbot in weiten Teilen des öffentlichen Lebens ist erst etwas mehr als 10 Jahre alt und führte damals zu hitzigen Debatten, doch gilt heute als völlig selbstverständlich. Aber längst nicht alle Veränderungen müssen nachhaltig im Sinne einer sozial-ökologischen Perspektive sein, um eine Investitionschance zu bieten. Auch der Umgang und die Integration von sozialen Medien in unseren Alltag boten und bieten zahlreiche Investitionschancen wie beispielsweise das Smartphone.

Stefan Kramer: Heutzutage steht der Wunsch nach einem nachhaltigen Wandel der Wirtschaft und Gesellschaft stark im Fokus vieler Bürger und begünstigt daher neue, nachhaltige Investitionschancen. Aktuell sind es vielleicht Themen wie alternative Energien, E-Mobilität, nachhaltiger Konsum und Ökotourismus oder autofreie Innenstädte, die sich auf Stufe 1 oder 2 befinden und eventuell auch nie die Stufe 3 erreichen. Aus Anlegersicht sind daher oftmals Trends auf der späten Stufe 2 besonders interessant, da es bereits eine stabile Nachfrage gibt, aber sich die Erkenntnis des Wandels noch nicht vollständig in den Investitionspreisen wiederspiegelt.


Nachhaltige und gleichzeitig ökonomisch attraktive Anlageangebote gibt es also heute mehr als je zuvor. Sehen Sie hierin auch ein Risiko? Und welchen Mehrwert bietet die Capitell diesbezüglich ihren Kunden?

David Houdek: Kurz gesagt sehe ich Risiken in zweierlei Hinsicht: Da die Zahl der Anleger, welche ihr Geld auch nach ökologischen und sozialen Maßstäben nachhaltig anlegen wollen, stetig steigt, steigt auch das Angebot und die Anzahl an Trittbrettfahrern, von denen manche das Thema meines Erachtens nicht mit der angemessenen Seriosität betreiben und Green Washing betreiben.

Und andererseits besteht natürlich an den Finanzmärkten -wie bei jedem Trend- die Gefahr, dass die Anlegereuphorie den fundamentalen Gegebenheiten extrem vorauseilt und es zu einer Spekulationsblase kommt. Die volkswirtschaftliche Bedeutung von alternativer Energien war noch nie so hoch wie heute, doch konnte man mit deutschen Solar- oder Windkraftinvestments in der Vergangenheit auch herbe Verluste erleiden, sofern man unbedacht einem temporären Börsenhype hinter läuft.

Stefan Kramer: Und hier kommt der Mehrwert der Capitell AG ins Spiel. Wir achten bei der Auswahl der Investments auf eine angemessene Streuung des Vermögens und richten das Chance-/Risikoprofil des Portfolios ganz nach den individuellen Bedürfnissen unserer Kunden aus. Dazu überlegen wir nicht nur, welche Chancen ein Investment bietet, sondern schauen auch, was davon bereits in den Kursen eingepreist ist.

Seit der Gründung vor 20 Jahren verwaltet die Capitell AG unter dem Motto Voraus denken. Nachhaltig wachsen. Sehr erfolgreich das Vermögen zum Wohle ihrer Kunden, nun auch in einer rein nachhaltigen Variante.


Ich danke Ihnen vielmals für das Gespräch und bis zum nächsten Mal.

 



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